Wallensteins Truppen im Erzgebirge - Erzgebirgische Heimatblätter

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Wallensteins Truppen im Erzgebirge

1927 > Februar 1927 > Nr. 6/1927

In großen Schrecken sollte das Obererzgebirge versetzt werden, als Wallenstein seine dem Laster ergebenen und aus allerlei Volk zusammengelesenen Truppen nach Sachsen führte. Der General Holck, Wallensteins Oberstfeldmarschall, ein Protestant aus Dänemark, sowie der Kroatenoberst Corbitz führten ihre Banden über Altenberg, Schneeberg und Annaberg durch unser Gebirge, wodurch dieses aufs höchste geängstigt ward. Am 10. August 1632 rückte der Vortrab des Holckschen Heeres unter Oberst Isaak von Brandenstein vor Annaberg, wo nicht nur 2000 Taler Brandschatzung gezahlt werden mußten, sondern auch, trotz des gegebenen Ehrenwortes, die Stadt vor aller Unbill zu schonen, in schrecklichster Weise geplündert und alles Vieh weggetrieben wurde.

Nach dieser Heldentat ging es weiter, und mitten in der Nacht kam die Bande vor Marienberg an. Ein kaiserlicher Trompeter sprengte vor das verschlossene Annaberger Tor und begehrte im Namen des Kaisers Oeffnung und Uebergabe der Stadt. Der Bürgermeister Franke bat um einen Tag Bedenkzeit; der Trompeter ritt zurück und nach einer in großer Angst durchwachten Nacht öffnete man das Tor und - nirgends war ein feindlicher Soldat mehr zu erblicken. Die Gefahr war für diesmal abgewendet; aber die Angst stieg wieder aufs höchste, als man vernahm, daß der grausame General Holck selbst bereits in Schneeberg angekommen sei und sein Herr dort nicht nur alles geplündert und zerstört, sondern auch Fliehende und Flehende unbarmherzig niedergeschossen, viele Bürger getötet oder bis auf den Tod gequält, ja den Stadtrichter vor der Tür seines Hauses und einen 90jährigen Greis, den früheren Bürgermeister von Schlackenwerth, niedergemetzelt hatte.

Von Eger kommend, drang 1632, Mitte August, der General Holck mit seinen Scharen über Elbogen, Neudeck nach Eibenstock und von da gegen Schneeberg vor. Gar übel hatten die Kroaten überall gehaust. Schwarzenberg, Schneeberg, Lößnitz, Grünhain, Elterlein, Geyer wurden geplündert und niedergebrannt. Schreckliche Zeiten waren gekommen. Das liebe Getreide wurde zertreten, viele hundert Stück Vieh wurden geraubt, von den Marketendern teuer verkauft, Brot und Bier wurden durch dieselben abgeführt und dadurch Hunger, Brotmangel, Zagen und Wehklagen verursacht.


Nr. 6 - Sonntag, den 6. Februar 1927
Druck und Verlag von Friedrich Seidel, Buchholz i. Sa., Karlsbader Straße 21 - Fernruf 242 und 249


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Erzgebirgische Heimatblätter Nr. 6 - Sonntag, den 6. Februar 1927, S. 3

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