Ein Spaziergang durch das alte Buchholz - Erzgebirgische Heimatblätter

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Ein Spaziergang durch das alte Buchholz

1928 > März 1928 > Nr. 12/1928
Buchholz um 1848

Eine textliche Bereicherung zu unserer Abbildung.

In der Ausgabe vom 4. März (Nr. 10) der "Erzgebirgischen Heimatblätter" unserer O. Z. haben wir dieses Bild schon einmal veröffentlicht. Von Herrn Stadtrat Adler-Buchholz sind zu diesem Bilde nunmehr aber recht wertvolle Textangaben gemacht worden, durch die diese Abbildung des alten Buchholz, wie es vor ca. 80 Jahren ausgesehen hat, an Wert wesentlich gewinnt. An Hand unseres Bildes wollen wir einmal einen Spaziergang durch unser Alt-Buchholz unternehmen, und wir werden dann das liebe, alte Städtchen, in dem die Wiege unserer Ahnen stand, immer mehr lieb gewinnen. Von der alten St. Katharinenkirche, die sich imposant aus der Häusergruppe heraushebt und die wie eine Glucke ihre Kücken hier das alte Buchholz betreut, werden wir uns bald in der alten Vaterstadt zurecht finden. Der Teil der Kirche, auf dem das Türmlein mit Krypta steht, ist die jetzige Sakristei. Direkt darunter sehen wir ebenfalls ein mit einem Türmlein gekröntes Gebäude. Das ist das ehemalige Buchholzer Rathaus, welches also dort stand, wo heute das große Gebäude der Gebr. Roscher an der Karlsbader Straße steht. Zwischen Kirche und Rathaus rechts von der Sakristei, dort wo die Kirchenfenster nur ein wenig über dem hohen, abgesetzten Dach hervorlugen, erblicken wir das alte Sühnelhaus, das vielen Buchholzern noch bekannt sein wird. Es stand an der Stelle, wo wir heute die Schulturnhalle und das Feuerwehrdepot vorfinden. Unter dem Rathaus, dem Gebäude mit dem Türmchen, läuft parallel mit dem Rathausdach, das Dach eines Gebäudes, von dem die Giebelseite auf dem Bilde deutlich sichtbar wird. Dieses Gebäude gehörte dem Erbauer des ersten Waldschlößchens, welches bekanntlich auf einer Halde errichtet wurde, es gehörte dem alten Buchholzer Bürger August Weißer. Heute gehört das auf dieser Stelle stehende Haus Herrn Bergner am Markt — es kennzeichnet also die Ecke Markt und Katharinenstraße. Unser Bild zeigt — links vor diesem Weißer-, jetzt Bergner-Haus, mit Dach, Guebel und Rückfront sichtbar — das jetzige Emil Frank-Haus am Markt, welches früher Kreuzburg, nachher Eisenstuck gehörte und dann die Bach'sche Handlung war. Im Parterre dieses Gebäudes war die Privatschule untergebracht. Vor dem jetzigen Emil Frank-Haus, quer zu diesem stehend und den Markt nach rechts begrenzend, wird auch ein Dach (2 Essen) und Giebel, das jetzige Tischler Brand-Haus, sichtbar. Den Marktplatz selbst erkennt man deutlich und sieht an der Stelle — wo heute das Rathaus steht — ein kleineres Gebäude mit Tor — das war das alte Buchholzer Brauhaus. Rechts daneben steht ein größeres Gebäude, ebenfalls mit Tor, an der Stelle des ehemaligen Schlosser-Leibelt-Hauses, das war im alten Buchholz das Kurfürstenhaus mit Münze. Die Gasse, die hinter diesem Hause läuft, heißt heute deshalb noch die "Münzgasse". In der letzten Ausgabe unseres Heimatblattes ist sie auf dem Titelbild nach ihrem heutigen Aussehen abgebildet worden. — Sehr interessant ist ebenfalls auf unserem Bilde die alte Sehmabrücke. Die Straße, auf der die Schlitten fahren, ist die hintere alte Poststraße von Annaberg, durch die Katharinenstraße, die jetzige Neugasse zur Buchenstraße, alte Schlettauer Straße. Die Annaberger Brücke ist 1839, die Buchholzer 1841 erbaut. Der "Sächsische Hof" — alte Schmiedel-Gasthof — stand oben an der jetigen Neugasse, Leibelt gegenüber. Der auf dem Bilde zu sehende Schlittenfahrtzug ist ebenfalls historisch. Einer der Vorreiter ist ein Bach. Der Schützenkommandant war Fine oder Kreuzburg, Adjutabnt Bach — später war Bach Kommandant, dann Theodor Koch (beritten). In dem Schlitten sind zu sehen: Ehepaar Bach (Adlers Urgroßeltern mütterlicherseits). Die alte Straße nach Annaberg ging etwa nach Brauers Villa, Hohl-Villa, dann tief hinab zum Schlössel und zur Herberge zur Heimat.

Unser Bild erzählt uns also sehr, sehr viel vom alten Buchholz, und unsere Leser und Leserinnen werden für diese textliche Bereicherung sehr dankbar sein.


Nr. 12 - v.  18. März 1928


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Erzgebirgische Heimatblätter Nr. 12 - Sonntag, den 18. März 1928, S. 2

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