Aus dem Sagenborn des Erzgebirges - Erzgebirgische Heimatblätter

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Aus dem Sagenborn des Erzgebirges

1928 > April 1928 > Nr. 16/1928
Ein Gespenst dringt einem Fuhrmann Geld auf.
(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 135.)

Im Jahre 1719 fährt Abraham Friedrich einem Schmiede in Johanngeorgenstadt Kohlen ein. Da er nun Nachmittag um 1 Uhr wieder an die Meilerstätte kommt und den Schmiedegesellen, welcher ihm beim Aufladen helfen soll, nicht findet, im Gebüsch sich aber etwas bewegen sieht, so meint er, es sei der Gehilfe, und ruft ihm daher zu, er solle sich herpacken und mit aufladen. Hierauf erschallt eine Stimme: "Jetzt gleich." Es kommt auch wirklich jemand und hilft ihm etliche Kübel Kohlen auf den Karren laden, also daß Friedrich nicht anders meint, er habe seinen Gesellen. Nachdem sich aber der Kohlenstaub ein wenig legt, sieht er an dessen Unterleib eine seltsame Gestalt, er stößt ihn daher von sich und spricht, er solle sich packen, seine Hilfe begehre er nicht. Indem nun Friedrich weiter aufladet, kehrt der andere das Löschfäßlein um und belegt es mit lauter neuem kurfürstlichen Gelde. Dabei begehrt er, weil Friedrich ein armer Mann sei, solle er's nehmen, und so oft er etwas brauche, möge er wieder an diese Stätte kommen, da er ihm ein mehreres geben wolle. Darüber wurde Friedrich unwillig und stieß das Faß mit dem Gelde um, so daß letzteres über den ganzen Platz verstreut wurde. Der andere aber raffte es im Hui wieder in seinem Beutel und hielt es von neuem vor. Friedrich jedoch kehrte sich nicht daran und fuhr fort. Er mußte aber seinen Gefährten noch ein gut Stück Weges bei sich haben. Derselbe hielt ihm immer wieder den Beutel vor, schüttelte mit dem Gelde und wollte es ihm aufdringen, bis endlich Friedrich aus Ungeduld ihn garstig gescholten und mit der Peitsche darnach geschlagen. Da ging der andere seitwärts ins Holz und hinterließ einen solchen Dampf und Gestank, daß Friedrich zu ersticken meinte und auch in der Folge krank wurde.
Das Gespenst in einer Halde bei Pobershau.
(Nach Mitteilung des Seminarist Richter in Schneeberg.)

In Pobershau bei Zöblitz sieht man neben der alten Schule eine große Steinhalde. Hier soll ein Gespenst sein Wesen treiben, denn schon oft hat man daselbst Stöhnen, Rufen und Gepolter gehört, und es wird überhaupt viel darüber gemunkelt. Nach der allgemeinen Sage soll dies Gespenst der Geist eines früheren Grundbesitzers sein, welcher als sehr hartherzig verschrien war.
Die sieben Ruten bei Chemnitz.
(Mündlich.)

Ein Teil des Schloßwaldes bei Chemnitz trägt den Namen "Die sieben Ruten". Jeder, der diesen Teil betritt, soll keinen Ausweg finden können. Der Sage nach soll hier einst einer besonderen Krankheit wegen ein Mann begraben worden sein, der jedem, welcher dies Gebiet betritt, den Ausweg verstellt.
Die gespenstische Müllerin in Brand bei Joachimsthal.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 944.)

Im Jahre 1674 wohnte in Brand, einem gebirgischen Dorfe unter Joachimsthal, eine Müllerin, die Mühl-Adelin genannt, welche die armen Bergleute und Zinnseifner auf Gottesgab mit Brot verlegte, dasselbe aber so armselig buk und gab, daß es fast eitel Spreu und Kleie war und in der Suppe zerschwamm. Da ihre Arbeiter sich beklagten und sich über das ärmliche Brot beschwerten, sagte sie mit Trotz: "Gottesgaber Säue könnens schon fressen!" Als sie aber gestorben war, ist sie oft wiedergekommen und hat den Mann geplagt. So oft der Müller seine Säue fütterte, ist allezeit eine fremde gespenstische Sau mit zugelaufen und hat samt den andern aus dem Troge gefressen.
Der weiße Widder auf dem Pandurenfelsen bei Schneeberg.
(Mündlich.)

Auf dem Gleeßberge bei Schneeberg heißt ein Felsen der Pandurenfelsen. Man erzählt, daß auf und an ihm einst die Bewohner von Aue mit Panduren gekämpft haben sollen. Noch läßt sich auf ihm zuweilen des Nachts ein weißer Widder mit feurigen Hörnern sehen.
Der schwarze Hund in Grünthal.
(A. Blüml in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg., S. 174.)

Noch jetzt hört man von alten Leuten, besonders Hüttenarbeitern, in Grünthal die feste Behauptung, daß um den Kupferhammer daselbst ein großer schwarzer Hund schleiche, aber nicht wie andere dieser Tiere auf vier, sondern nur auf zwei Beinen, und daß er oft heimkehrenden Arbeitern ins Genick springe, sie auch wohl bis über die nahe Landesgrenze verfolge.
Die Vögelgesellschaft zu Dittersbach.
(Nach Liberius Veridicus, Unmaßliche Gedanken von den Dittersbacher Vögeln. Frankenberg 1707, bei Gräße a. a. O., Nr. 588)

Im Monat Oktober des Jahres 1706 entstand des Nachts eine große Feuersbrunst in dem bei Frankenberg gelegenen Dorfe Dittersbach. Bei derselben versammelten sich wilde Enten, wilde Gänse, Quäker, Kiebitze, Sperber, Eulen, Lerchen, Rotkehlchen usw. und gegen Morgen kamen Raben und Krähen dazu und machten ein gräßliches Geschrei. Die Vögel flogen um das Feuer herum, viele verbrannten, viele aber wurden gefangen. Weil man sich aber den Grund dieser Vögelversammlung nicht denken konnte, ist vom Gerichtsamte am 6. November eine Registratur hierüber aufgenommen und an die sächsische Regierung eingeschickt worden.
Der rote Hohensteiner.
(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg i. B., S. 61.)

Der hohe Stein ist ein nächst Neugeschrei bei Schmiedeberg hervorragender steiler Felsen, von dem man eine schöne Fernsicht gegen Westen und Norden, nach Sachsen in die Gegend von Dresden, Zwickau und Altenburg genießt. "Denkmal der Freundschaft" kann man auf seiner Plattform lesen; in die übrigen Wände sind aber auch andere merkwürdige Zeichen eingegraben. Auf diesem Felsen sieht man zu Zeiten und zwar alle 5 Jahre von 12 bis 1 Uhr mittags, ein Männlein mit langem roten Bart in roter Kleidung sitzen. Das ist der Hohensteiner. Angesprochen hat ihn noch niemand; die ihn sahen, eilten entsetzt vorüber, denn er läßt ein zorniges Kreischen, wie von kämpfenden Katzen, ertönen. Der rote Hohensteiner harrt auf Erlösung, und die kann ihm nur von einem furchtlosen Mädchen werden, wenn ihn dasselbe recht mutig anspricht.
Der Mönch von Komotau.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 282.)

Wenn man in Komotau das alte Rathaus besichtigt, so kommt man in einen Hof, der das "Mönchshöfel" heißt. An der einen Wand desselben bemerkt man ein Steinbild, das einen Mönch vorstellt, dessen Haupt und Hände getrennt sind. Im Rathause soll nämlich, so oft der Stadt eine Gefahr droht, ein Mönch herumgehen, der den Kopf unter dem Arme trägt. Er geht vom Rathause aus bis zur Kaserne, einem ehemaligen Jesuitenkloster, wo er verschwindet. Viele Leute wollen ihn schon gesehen, namentlich soll er im Jahre 1832 sich gezeigt haben, und drei Tage nach seinem Erscheinen ist die ganze Stadt abgebrannt.

Quelle: Erzgebirgische Heimatblätter Nr. 16 - Sonntag, den 15. April 1928, S. 2

Erzgebirgische Heimatblätter
Nr. 16 - v.  15. April 1928

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