Am Sagenborn des Erzgebirges - Erzgebirgische Heimatblätter

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Am Sagenborn des Erzgebirges

1928 > Februar 1928 > Nr. 7/1928

Der gespenstische Leichenzug bei Pöhla.
(Mündlich.)

Im sogenannten Vogelwalde unterhalb Pöhla soll zu manchen Zeiten des Nachts 12 Uhr ein Leichenzug zu sehen gewesen sein. Begegneten demselben Personen, so mußten dieselben wie festgebannt stehen bleiben; nur derjenige, welcher eine brennende Zigarre bei sich führte, konnte ungehindert seines Weges ziehen.

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Der Spuk an der Straße bei Albernau.
(Mitgeteilt von Lehrer E. Schlegel aus Zschorlau.)

Da, wo von der Chaussee zwischen Schneeberg und Bockau der Kommunikationsweg nach Albernau abgeht, steht eine steinerne Säule. Von diesem Platze wird verschiedenes erzählt. Einige wollen daselbst in gewissen Nächten zur Mitternachtsstunde einen Reiter ohne Kopf gesehen haben, der mit wildem Geheule vorüberjagte; andere erzählen, daß sich dort des Nachts zwischen 12 und 1 Uhr ein Licht hin und her bewege, wobei zugleich deutlich Gewinsel zu hören sei.

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Die zwei weißen Pudel bei Rittersgrün.
(Mündlich.)

Kurz vor dem sogenannten Zigeunerwalde zwischen Rittersgrün und Pöhla sollen sich manchmal des Abends zwei weiße Pudel mit glühenden Augen und an feuriger Kette festgehängt sehen lassen.

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Der schwarze Mann zu Königswalde.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 950.)

Im Juli des Jahres 1696 wurden Hans Neuber, ein Köhler, und sein Weib Anna Katharina Metznerin, beide fromm und in friedlicher Ehe lebende Leute zu Königswalde auf der Amtsseite, von Gott mit einer jungen Tochter begnadet. Nachdem das Kind getauft, hat sich in der Nacht darauf ein langer, schwarzer Mann, der aus der Stubenkammer hinein in die Stube gekommen, vor dem Bette der Frau eingefunden und hat sie angeredet: "Gib mir dein Kind!" Als sie sich aber dessen geweigert, ist er wieder hinausgegangen und hat das Schloß hinter sich zugeschlagen, daß es zerschmettert. Nach 14 Tagen kam etwas an den Laden, daß sie auch den Schatten an dem Fenster sehen konnten, und weil sie es für einen Hund gehalten, hat sie auf dasselbe gerufen: "Geh' Du garstiges Aas!" Worauf es den Fensterladen gewaltig zugeschlagen und weiter nichts unternommen. Die folgende Nacht hat es ihr Kind aus dem Bettchen gezogen, worauf sie es quer über dem Badewännchen auf dem Gesichte liegend wieder gefunden, welches darauf eine Nacht um die andere wiederholt worden. An einem Sonnabend im August hat die Mutter zu Nacht das Kind kurz vorher gestillt und wieder hinaus in das Wännchen gelegt. Da träumte dem Vater, es hätte ein Kind einen Arm gebrochen, worüber er erschrocken aufgefahren; doch, weil er sich besonnen, es sei ja sein Kind nicht, welches er bei sich in der Kammer habe, ist er bald wieder eingeschlafen. Hierauf wurde ihm das Bette vom Leibe gezogen, worüber er auffuhr und nach dem Kinde schrie, welches sie leider aus dem Kißchen ganz bloß auf dem Gesichte liegend tot fanden. Als nach dessen Beerdigung der Mann wieder an seine Arbeit im Kohlenhau gegangen und seines Bruders Weib des Nachts bis zu seiner Wiederkunft dazubleiben vermocht hatte, so hat sich zur Nacht zwischen 11 und 12 Uhr etwas an dem unteren Bettbrett asngegeben, damit geknacket, ist endlich gar ins Bett gefallen, daß es ganz schwer geworden, und da sie ihre schlafende Schwägerin aufgeweckt, habe das Ungetüm gesagt: "Harre, ich will Dir Deinen Rest schon geben!" Womit es weggekommen, und hatte sie es ordentlich auf dem Stroh hingehen hören, und der Hund hatte es gemerkt und sehr gewinselt.

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Der alte Turm in Tanneberg
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, Nr. 38.)

Nahe bei den Rittergutsgebäuden des Dorfes Tanneberg* bei Geyer steht ein uralter viereckiger Turm. Seine starken Mauern sind noch jetzt an dreißig Ellen hoch und von einem Wassergraben umgeben. Viel erzählt man von ihm, aber wenig zusammenhängendes.

In uralter Zeit soll einmal ein Graf, der Besitzer dieser Gegend, eine große Jagd abgehalten und sich dabei verirrt haben und mit seinem Rosse in einen Sumpf gesunken sein. Dem Tode nahe, wäre er noch von den Jägern mit Mühe gerettet worden und hätte zum Andenken den Turm erbaut.

Jetzt noch soll in dem Turme der Geist eines der späteren Besitzer spuken, aber warum? weiß niemand. Auch wollen alte Holzhauer und Bergleute den Baum wissen, wo die Seele dieses unglücklichen Spukers eingespündet sein soll. Es wäre sonst ein eiserner Reif um den Baum gelegt gewesen, um die Seele recht festzuhalten, aber die Holzdiebe hätten zuletzt auch den Reif gestohlen.

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Der Waldschütz.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen. S. 115.)

In Rodau, einem Dorfe bei Graslitz, erzählt man sich viel von dem Waldschützen. Es soll dies ein Mann sein, der in dem nahegelegenen Walde zu mitternächtlicher Stunde umgeht. Er schlägt dabei mit großer Kraft und Gewalt an die Bäume und verursacht dadurch einen großen Lärm. Zugleich setzt er dem Wilde nach, scheucht es auf und treibt es so lange herum, bis ihn die Geisterstunde zurückruft. Dabei hört man, wie er die Hunde hetzt. Deshalb nennen ihn die Leute den Waldschützen. Er geht immer tiefer in den Wald und verliert sich endlich im Forste.

Dieser Waldschütz hat endlich auch die gewohnheit, die Leute in diesem tiefen Walde irre zu führen. Eines Tages nun ging ein Holzhauer aus dem Walde nach Hause. er war noch nicht lange gegangen, als es stockfinster wurde und er furchtbare Axtschläge in seiner Nähe vernahm. Der Holzhauer ging herzhaft auf den Lärm los, weil er glaubte, daß es Holzdiebe seien. Wie er aber auf den Platz kam, wo die Schläge erschallten, sah er einen fremden Mann in Jägertracht, der an die Bäume klopfte. Der Holzhauer fragte: "Wer bist du?" "Ich bin der Waldschütz!" sagte der Mann und klopfte weiter. Der Holzhauer folgte dem Manne nach. Um Mitternacht waren sie schon tief in den Wald geraten, da fühlte der Holzhauer plötzlich einen Axtschlag, daß er halbtot zu Boden stürzte. Am anderen Morgen, als er aufwachte, standen einige Leute bei ihm, die ihn gefunden hatten. — In der Hochgart geschah es, daß dieser Geist sich am Tage sehen ließ; dann ist er böswillig und läßt niemanden ungeschoren. Ein armer Mann sah ihn und rief ihn dreimal beim Namen: "Waldschütz, Waldschütz, Waldschütz!" Da drehte sich derselbe um und sprach: "Für dein Necken sollst du hier in einen Baumstumpf verwandelt so lange stehen, bis dich der Zufall erlöst." Augenblicklich ward der Mann zu einem Baumstumpf und wurzelte im Boden. Seine Erlösung aber blieb nicht lange aus. Eines Tages waren Köhler in der Nähe; einer derselben sah den Stock dastehen und dachte, er sei gut, das Mittagessen darauf einzunehmen. Er legte daher sein Brot darauf, schnitt es mit dem Messer surch, so zwar, daß er auch noch in den Stock schnitt, und hackte auch seine Hacke darin ein. In demselben Augenblicke schrie es heftig auf, der Baumstumpf verschwand und der verzauberte Mann stand erlöst vor den Augen der Köhler.

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Der Panzerreiter zu Stollberg.
(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 574; z. T. mündlich.)

In der Gegend von Stollberg soll bei Nacht ein Reiter ohne Kopf, in einen langen schwarzen Mantel gehüllt, auf einem schwarzen kopflosen Rosse herumreiten. Vor ihm her flattert eine schwarz- und graugefleckte Krähe, welche sich auch bisweilen auf einer großen Linde in der Oberstadt sehen ließ und durch ihr nächtliches Krächzen jedem, der es hörte, den Tod binnen drei Tagen verkündigte. Nach anderen sollen vor dem Reiter drei Raben fliegen; auf welchem Hause sich dieselben niederlassen, daraus soll jemand in demselben Jahre sterben. Den Reiter nennt man den Panzerreiter.


Nr. 7 - v.  12. Februar 1928


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