Im romantischen Schwarzwassertal - Erzgebirgische Heimatblätter

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Im romantischen Schwarzwassertal

1926 > August 1926 > Nr. 32/1926

Eine der reizvollsten Gegenden, eine der schönsten des oberen Erzgebirges, ist unstrittig das herrliche Schwarzwassertal! Nicht in die Ferne braucht man in diesen Sommertagen zu schweifen, wenn man den wundervollen Genuß prachtvoller Wanderung in Gottes freier Natur haben will, wenn man sich ergehen will in einer romantisch fesselnden Landschaft, die in ihrer Vielseitigkeit und Abwechslung so zahlreiche Schönheiten bietet, daß man nicht satt daran wird, Auge und Sinnen an all den Bildern immer wieder zu laben, die wie in einem bunten Film ringsum vorübergleiten.

Hat man erst das uralte Schlettau mit seinem Schloß im oberen Zschopautale, die freundliche Stadt Scheibenberg oder das von einem reichen Kranze schöner Wiesen und Wälder umgebene Elterlein hinter sich, so grüßen bald die am Eingange des stillen, prachtvollen Nitzschhammertales gelegenen Orte Markersbach und Mittweida, sowie das so warm und grünumrankte Raschau und der waldumrauschte Talort Pöhla den Wandersmann. Wie reizend liegt ferner auch der herrliche Wald- und Höhenkurort Rittersgrün. Und dann das liebliche Breitenbrunn am waldigen Hange des Schwarzwassertales, in das man eintritt.

Aus dem Schwarzwassertal zwischen Aue und Lauter

Aus dem Schwarzwassertal zwischen Aue und Lauter

Von dem Reichtum, mit dem der Schöpfer dieses Gebiet unserer engeren Heimat ausgestattet hat, zeigt das beistehende Bild nur einen kleinen Abglanz! Man muß hingehen und stundenlang, tagelang wandern, um all das zu erfassen und zu bewundern, was Gott, der Herr, wie aus einem Füllhorn hier ausgegossen hat. Doch nicht das kaleidoskopartig wechselnde Bild der Landschaft mit ihren Wiesen und Wäldern, mit Tal und Berg, mit Fluß und Felsen allein fesselt auf Schritt und Tritt, auch die Bilder der Dörfer und Städte bieten viel des Sehenswerten und kulturgeschichtlich Interessanten. Da stößt man auf das von emigranten gegründete, auf Bergeshöhe wundervoll gelegene Johanngeorgenstadt, den Sitz der erzgebirgischen Handschuhindustrie, und auf das waldumfriedete Steinbach und den Auersberg, dessen gemütlich eingerichtetes Unterkunftshaus, zu Ruh und Rast einladend, von Ferne schon winkt und grüßt. Dort oben ist gut sein; von dort blickt man froh und frei zu Tal und empfindet noch einmal so tief die Worte unseres heimischen Erzgebirgsdichters Anton Günther nach:

Karte

Wu de Wald'r hamich rausch'n,
Wu de Haad su rötlich blieht,
Mit kann Kenig möcht ich tausch'n,
Weil do druhm mei Heisl stieht.

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Andere Namen, die den Dahinziehenden bannen, sind diejenigen von Bermsgrün, Antonstal und Jägerhaus; alles Perlen im Waldreich des Schwarzwassertales! Und dann das entzückend liegende Schwarzenberg, das, tirolerisch aufgebaut, herüberwinkt mit seinem alten Schloß und dem doppelten Bergkranz. Von hier aus gelangt man dann weiter gen Beierfeld, den aufstrebenden Industrieort, und das eigenartig am Berghange emporkletternde Bernsbach, beide am sonnigen, aussichtsreichen Spiegelwald gelegen. Auf der anderen Seite wieder Grünhain mit seiner alten Klosterruine und zwischen Waldbergen in einem Seitentale Lauter und Oberpfannenstiel; ferner Lößnitz mit seiner Weihnachtskrippenkunst und schließlich im Talkessel das industriereiche Aue. Diese Stadt hat sich geradezu erstaunlich entwickelt und in ihrer Einwohnerzahl andere Städte des oberen Erzgebirges in schnellem Tempo überholt. Ungemein vielseitig ist die Industrie von Aue, die sich z. T. zur überragenden Weltindustrie heranbildete. Da ist vor allem zu nennen die gewaltige Metallwarenfabrik von Wellner Söhne, deren Fabrikate einen Siegeszug über die ganze Erde angetreten haben; ein Unternehmen, das Tausenden von Arbeitern Lohn und Brot bringt. Wie diese Riesenfabrik, so sind nocb zahlreiche Fabriken sowohl der Metall, wie auch anderer Industrien hier entstanden.


Nr. 32 - Sonntag, den 8. August 1926
Druck u. Verlag von Friedrich Seidel. Buchholz i. Sa., Karlsbader Str. 21 - Fernruf 242 u. 249


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Quelle: Erzgebirgische Heimatblätter Nr. 32 - Sonntag, den 8. August 1926, S. 1

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