Die beiden neuen Unterkunftshäuser im Erzgebirge. - Erzgebirgische Heimatblätter

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Die beiden neuen Unterkunftshäuser im Erzgebirge.

1928 > April 1928 > Nr. 17/1928
Unterkunftshaus auf dem Hirtstein

1. Das Haus auf dem Hirtstein bei Satzung (889 m).

Dem Hirtstein fehlt das achtunggebietende Berghafte. Nur allmählich erhebt er sich über seine nächste Umgebung. So kommt es, daß seine Nachbarn, der 898 m hohe Bärenstein und der um 66 m niedrigere Pöhlberg (833 m), ungleich massiger und wuchtiger erscheinen. Und doch verdient der Hirtstein den Besuch des Wanderers in besonderem Maße und aus besonderem Grunde. Der verstorbene Professor Credner sagt in einem Gutachten — es handelte sich um die Gefährdung der Hirtsteinkuppe durch Steinbrucharbeiten —: "Im Hirtstein ist eine Anzahl interessanter geologischer Erscheinungen in vorzüglicher Form zur Ausführung gelangt, in selten anzutreffender Weise vereint und in außergewöhnlichem Maße bloßgelegt zu überschauen. Im Gegensatze zu den ebenfalls aus Basalt bestehenden Pöhlberg, Scheibenberg und Bärenstein, welche schollenförmige Reste alter basaltischer Lavaströme repräsentieren, stellt der Hirtstein eine sogenannte Quellkuppe, einen alten vulkanischen Basaltkegel vor, dessen innerer Bau durch die bisherigen Steinbruchsarbeiten dem Auge des Beschauers klargelegt ist. Er erblickt eine Absonderung des Basaltes in Säulen von wunderbarer Regelmäßigkeit und Länge. Diese Prismen besitzen nun hier, nicht wie bei der Mehrzahl der übrigen erzgebirgischen Basalte senkrechte, sondern fast wagrechte Lage und strahlen in gesetzmäßiger Anordnung radial von der Achse der Vulkankuppe allseitig nach außen. Ich kenne weder im Erzgebirge oder in der an Basalten reichen Lausitz, noch im übrigen Norddeutschland ein Vorkommnis von ähnlicher Schönheit." In diesem Gutachten liegt eine gerechte Würdigung des Hirtsteins.

Der Erzgebirgsverein Satzung hat, durchdrungen von der Bedeutung seines Hirtsteins und zugleich von der Wichtigkeit des Fremdenverkehrs in seinem Wirkungsgebiet, das Wagnis unternommen, in der Nähe des Hirtsteingipfels ein Unterkunftshaus zu errichten. Das Wagnis ist geglückt. Heute steht das Haus fix und fertig da, und man wird nicht sagen können, daß durch seine Anwesenheit der Eindruck der oben geschilderten basaltischen Seltenheit und Schönheit beeinträchtigt würde.

Im Unterbau des Hauses befinden sich Küche und Keller. Darüber liegen zwei gemütlich eingerichtete Gastzimmer, von deren Fenstern aus man die überraschend weite Fernsicht über das obere erzgebirge genießen kann. Das Obergeschoß enthält sechs Fremdenzimmer. Besondere Bedeutung wird das Haus für den Wintersport haben. Liegt es doch in einem Gelände, das alle notwendigen Gefälle aufweist, und es wird der Anfänger, dem schon eine gelinde Bodensenkung Gruseln verursacht, ebenso wie der Geübte, der mit Windeseile zu Tale saust, auf seine Kosten kommen. Noch verdient hervorgehoben zu werden, daß jedes der 144 Mitglieder des E.Z.V. Satzung sich freiwillig verpflichtet hat, zwei Tage unentgeltlich an der Zugangsstraße zum Unterkunftshaus zu arbeiten.

Unterkunftshaus auf dem Schwartenberg

2. Das Haus auf dem Schwartenberg (778 m).

Zwischen Neuhausen und Seiffen, im Gebiet der oberen Flöha, erhebt sich bis zu einer Seehöhe von 778 Meter der Schwartenberg, im Volksmund schlechthin "Schwarte" genannt.

Heute ist der ehemals dichtbewaldete Berg bis auf ein Wäldchen am Gipfel kahl. Er fällt daher ebenso ins Auge wie sein kahlköpfiger Genosse, der Kupferberg in Böhmen.

Oestlich vom Gipfel läuft die alte Freiberg-Brüxer Straße, die von Sayda ab zugleich ein Teil der alten Handelsstraße war, die von Magdeburg über Wurzen, Hainichen, Bockendorf, Oederan, Sayda, Purschenstein, Brüx nach Prag führte. In Kriegs- und Friedenszeiten hat diese Straße viel Verkehr zu tragen gehabt.

Der Gipfel des Schwartenberges gestattet eine überaus reizvolle Fernsicht. Nur der Süden ist durch die mächtigeren Kammhöhen versperrt. Kein Wunder, daß bald nach der Entstehung der Häuser auf Fichtel- und Keilberg der Gedanke auftauchte, auch auf dem Schwartenberg eine Gaststätte zu errichten. Schon auf der Hauptversammlung des E. V. in Kirchberg im Jahre 1893 wurde die Angelegenheit zur Sprache gebracht, aber erst 32 Jahre später, abermals in Kirchberg, wurde die Errichtung eines Unterkunftshauses auf dem Schwartenberg beschlossen. Ein rühriger Bauausschuss sorgte dafür, daß die Angelegenheit in Fluß blieb. Die Gemeinde Neuhausen baute eine 2 Kilometer lange Zufahrtsstraße zum Gipfel des Berges. Ihre Weihe fand am 18. Juli 1926 statt. Gleichzeitig vollzog der erste Vorsitzende des Hauptvereins, Pfarrer Löscher, den ersten Spatenstich zum künftigen Hause. Dabei sprach er die denkwürdigen Worte: "Die Heimat lieben, zu Hause schaffen, Gott segne unser Tun!"

Bald begannen die Arbeiten. Noch vor Eintritt des Winters stand das Haus im Rohbau da. Im Frühjahr 1927 wurden die Arbeiten mit größter Beschleunigung wieder aufgenommen, und so konnte das schöne Haus am 31. Juli 1927 geweiht und dem Verkehr übergeben werden.

Das Gebäude ist errichtet nach den Plänen des Architekten Dr. Sievers in Chemnitz. Es enthält im Kellergeschoß außer Wirtschaftsräumen Heizraum und Waschküche, ferner Räume für Ski, Schlitten und Rad, Umkleideräume für Männer und Frauen und einen größeren Aufenthaltsraum. Im Erdgeschoß befinden sich außer Küche und Wirtschaftszimmern eine große und eine kleine Gaststube. Das Obergeschoß enthält neben Wohnräumen für den Wirt 7 Fremdenzimmer und 2 Baderäume. Im Dachgeschoß endlich sind Kammern und Waschräume, die zugleich den Zwecken der Jugendherberge dienen sollen, untergebracht.

Das neue Berggasthaus ist ein weiterer Schmuck unserer Heimat. Ein lange gehegter Wunsch der Zweigvereine des östlichen Erzgebirges ist mit seiner Erbauung verwirklicht worden. Mögen die Hoffnungen, die sich an die freundliche Stätte knüpfen, in reichem Maße in Erfüllung gehen!


Nr. 17 - v.  22. April 1928


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Erzgebirgische Heimatblätter Nr. 17 - Sonntag, den 22. April 1928, S. 1

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