Die ehemalige Kgl. sächs. concess. Zündrequisiten-Fabrik von Kummer und Günther in Königswalde bei Annaberg - Erzgebirgische Heimatblätter

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Die ehemalige Kgl. sächs. concess. Zündrequisiten-Fabrik von Kummer und Günther in Königswalde bei Annaberg

1926 > September 1926 > Nr. 39/1926
Kummer und Günther Königswalde

Ein Stück Geschichte vom alten Königswalde wird mit dem Titelbild unserer heutigen Heimatblätter lebendig. Die älteren Einwohner von Königswalde werden sich jedenfalls noch besinnen können, daß vor Jahren Königswalde einen Namen hatte wegen seiner Zündholzfabrik, die ihre Erzeugnisse in alle Welt versandte. In einem Album der sächsischen Industrie finden wir die folgenden Aufzeichnungen:

Wir betreten das obere Erzgebirge und von der alten Bergstadt Annaberg über den mächtigen Bielberg hinwegwandernd, kommen wir nach einer Stunde in das freundliche Dorf Königswalde, welches sich in dem tiefen unmuthigen Thale längs den Ufern der Pöhla fast eine Stunde lang hinzieht und von der von Annaberg über Jöhstadt nach Böhmen führenden Chaussee durchschnitten wird.

Hier finden wir dicht an der Chaussee liegend das Etablissement der Herren Kummer und Günther, welches aus

zwei Fabrikgebäuden, von denen das eine ein Thürmchen trägt;
einem Lagerhaus und
einem Stallgebäude mit Remisen

besteht, und welche Gebäude von einem freundlichen Garten begränzt werden.

Diese Fabrik liefert Streichzündhölzer der verschiedensten Art und Packung, sowohl mit als ohne Schwefel, Wachszündkerzchen, Cigarrenzünder, Streichschwamm, und überhaupt alle Arten Zündrequisiten.

Die Fabrikate finden ihren Absatz sowohl in Sachsen als Preußen, aber hauptsächlich auf überseeischem Wege nach Ost- und Westindien und nach Australien.

Auf der Ausstellung zu München - der einzigen bis jetzt von hier aus beschickten - wurde die Vorzüglichkeit der Fabrikate dieses Etablissements durch eine auf sämmtliche seiner ausgestellten Zündrequisiten ertheilte Belobung anerkannt.

Das Etablissement besitzt vier Einlegemaschinen neuester Construction, durch welche es möglich wird, bei verhältnismäßig geringen Arbeitskräften täglich vier Millionen Hölzer zu liefern.

Das Arbeitspersonal dieser Fabrik besteht aus circa 260 Erwachsenen und Kindern, von welchen 80 fortwährend, 180 aber zeitweise beschäftigt sind.

Inhaber und auch Gründer dieses Etablissements sind die Herren Gustav Kummer und Theodor Günther; dieselben besitzen noch eine Commandite in London, 1 Love Larre, Eastchiep E C.

Die Fabrik fertigt theilweise auch Zündhölzer ohne Phosphor, welche sich auf jeder beliebigen  rauhen oder glatten Reibfläche durch Streichen entzünden, frei von jeder der Gesundheit schädlichen Substanz sind, und dadurch Phosphorvergiftungen unter den in Zündholzfabriken beschäftigten Arbeitern, wie auch im Publikum nicht mehr vorkommen können. Die Erfindung ist den Herren Kummer und Günther für das Königreich Sachsen patentirt und es liefern dieselben diese Hölzer unter dem Namen "phosphorfreie Patent-Zündhölzer".

In dem Werke heißt es weiter: Die Industrie ist in unserem Zeitalter die Königin der Welt; ihre Macht ist so außerordentlich, daß kein Land, kein Volk sich ihrem Einfluß und ihrer Herrschaft entziehen kann. Ihre Erzeugnisse, zu immer höherer Vervollkommnung sich steigernd, führen die Eisenbahnen und Dampfschiffe, sogar ganze Handelsflotten, in alle Welttheile, und selbst bis in die kunstlose Hütte des Wilden bahnen sich jene nach und nach, wenn auch anfangs erst langsam, aber eben dadurch um so sicherer, ihren Weg. So wird sie, die Weltgebietende, auch die Trägerin der Civilisation, sie verknüpft und verbindet die Völker und Welttheile mit einander, und indem sie dieselben alle mit eben so milder als starker Hand unter ihren Scepter beugt, stellt sie diese in einen ununterbrochenen Wechselverkehr; vor ihrem ächten Kosmopolitismus verschwindet jede besondere Nationalität, jede Grenze und Schranke. Das haben auch die Mächtigen der Erde gefühlt, und die großen Welt-Industrie-Ausstellungen zu London und Paris geben hiervon die sprechendsten Beweise.

Es ist daher die Pflicht eines jeden Industriellen sowohl, als auch eines jeden Gebildeten überhaupt, sein Augenmerk auf die Welt-Industrie im Allgemeinen, sowie aber vorzüglich auch auf die Industrie seines Vaterlandes zu richten und diese mit Aufmerksamkeit zu verfolgen. Die Industrie unseres Vaterlandes Sachsen nimmt unter allen ihren Nebenbuhlerinnen unstreitig einen hohen Rang ein, denn ihre Erzeugnisse haben auf allen großen Industrie-Ausstellungen, wie in London, Paris, München etc. nicht bloß die höchste Aufmerksamkeit aller Kenner auf sich gezogen, sondern auch vielfach die Preise über ihre Rivalinnen davon getragen.

Auch die Zündholzfabrik in Königswalde hatte sich unter den vielen Industrie-Werken Sachsens einen Namen von besonders gutem Klang erworben. So spinnen die Fäden der Geschichte zurück in die alte, gute Zeit, in der reicher Segen über unserer Heimat lag. Das Erzgebirge war schon in alter Zeit ein industriereiches Ländchen, zu dessen Reichtum sich das Silber und Erz im Schoße der Berge gesellte. Kehr wieder, alte gute Zeit und bringe reichen Segen auch über unserer Hände fleißige Arbeit. Glück auf!

O je, so viel Gesülze...


Nr. 39 - Sonntag, den 26. September 1926
Druck u. Verlag von Friedrich Seidel. Buchholz i. Sa., Karlsbader Str. 21 - Fernruf 242 u. 249


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