Die alte St. Josephskirche zu Jöhstadt - Erzgebirgische Heimatblätter

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Die alte St. Josephskirche zu Jöhstadt

1926 > Juli 1926 > Nr. 28/1926

(Nach der "Geschichte der Stadt Jöhstadt, Festschrift für das Heimatfest 1905" und mit einem im Pfarrarchiv befindlichen Bilde.)

In katholischer Zeit gehörte Jöhstadt wie das gesamte Obererzgebirge zum Bistum Meißen und zum Archidiakonat Chemnitz. Das Archidiakonat Chemnitz zerfiel in die vier Kreise Chemnitz, Stollberg, Waldenburg und Wolkenstein. Ihre Verwalter waren die Archipresbyter, das heißt Erzpriester, auch Rural- oder Landdechanten (decani) genannt. Zum Kreis Wolkenstein gehörten die Kirchspiele Wolkenstein, Annaberg, Mildenau, Hermannsdorf, Drebach, Thum, Geyer, Ehrenfriedersdorf, Arnsfeld, Gelenau, Rückerswalde und Schönbrunn. Jöhstadt, wie auch Steinbach und Satzung, war Filiale zu Arnsfeld. Nach der Reformation ward Jöhstadt selbständige Parochie der Ephorie Annaberg.

Das älteste Gotteshaus von Jöhstadt ist die hier abgebildete St. Josephskirche, die bis zu ihrem Abbruche (1839) auf dem Markte stand. Sie war 30 Ellen lang, 20 Ellen breit, mit Schindeln gedeckt und mit einem Dachreiter versehen. Nach einer Nachricht von 1459 war sie dem hlg. Joseph, dem Manne der Maria, geweiht. Daher stammt vermutlich der Name Jöhstadt. (Jöhstadt und Marienberg nach den Eltern, Joachimsthal und Annaberg nach den Großeltern Jesu benannt.) Wie jede katholische Kirche jener Zeit so besaß auch St. Joseph zu Jöhstadt Reliquien von seinem Heiligen, und zwar sollen es die Hosen oder die Zimmerhacke St. Josephs gewesen sein. Jedenfalls waren diese Reliquien der Grund dafür, daß St. Joseph zu Jöhstadt bis zur Reformation eine Wallfahrtskirche war. Unter der Regierung des Kurfürsten Johann des Beständigen, als kaum mehr Interesse dafür vorhanden war, sind diese "Heiltümer" weggenommen worden; so besagt eine Nachricht eines 1665 begonnenen Stadtbuches.

Zur Belebung des unterdessen evangelisch gewordenen Gottesdienstes wurde 1650 eine Orgel für 210 Thaler angeschafft. Nachdem in den Jahren 1675-77 die neue große Stadtkirche St. Salvator in der Mitte der Stadt errichtet worden war, blieb das alte St. Josephskirchlein noch lange stehen und wurde nebenbei noch zu Fasten- und Leichenpredigten benutzt. Wegen Baufälligkeit wurde es im Juni 1838 unter angemessenen Feierlichkeiten entweiht, für 75 Thaler zum Abbruch verkauft und vom 8. Juli 1839 an abgetragen.

Kze.


Nr. 28 - Sonntag, den 11. Juli 1926
Druck u. Verlag von Friedrich Seidel. Buchholz i. Sa., Karlsbader Str. 21 - Fernruf 242 u. 249


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