Jahresanfänge - Erzgebirgische Heimatblätter

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Jahresanfänge

1927 > Januar 1927 > Nr. 1/1927

Die gegenwärtige Zählung der Jahre nach Christi Beschneidung ist erst seit dem 6. Jahrhundert üblich. Bis dahin wurden die Jahre nach dem Todesjahr des römischen Kaisers Diokletian gezählt. Aber auch nach dem 6. Jahrhundert war der 1. Januar noch nicht einheitlich als Jahresanfang festgelegt. Die päpstliche Kanzlei rechnete bis ins 10. Jahrhundert nach der diokletianischen Zeitrechnung. Das erste Dokument, das ein Datum nach der gegenwärtigen Zeitrechnung trägt, stammt aus dem Jahre 938, fällt also in die Regierungszeit des Papstes Leo VIII. Daneben waren noch andere Zeitrechnungen üblich. Zur Zeit der Karolinger berechnete man die Jahre nach der Regentenzeit der jeweiligen Herrscher. Erst unter Ludwig dem Frommen, einem Sohn Karls des Großen, fand die neue Zeitrechnung Eingang. Die erste deutsche Urkunde dieser neuen Zeitrechnung stammt aus dem Jahre 840. Es dauerte also nicht weniger als 300 Jahre, bis die neue Zeitrechnung im christlichen Abendlande Eingang fand, ohne damit allgemein durchgedrungen zu sein. Die Republik Venedig zum Beispiel ließ bis zu ihrem Untergange im Jahre 1797 das Jahr mit dem 1. März beginnen. Vielfach wurde das Jahr mit dem Osterfest begonnen. Da dieses aber als bewegliches Fest von der Frühlingssonnenwende abhängig ist, kam es tatsächlich vor, daß das Jahr fünfunddreißigmal nacheinander verschieden anfing und folglich auch nicht jedes Jahr so groß wie das andere, sondern einmal kürzer, das anderemal länger war. Bestimmt nachgewiesen ist diese erscheinung in Köln und in einigen holländischen Provinzen. In der päpstlichen Kanzlei begann man im 11. und 12. Jahrhundert einige zeit hindurch das Jahr mit dem 25. März, in Rußland mit dem 1. September, in Frankreich begann das Jahr von 1793 bis 1805 mit dem 1. Oktober. In vielen Ländern ließ man es mit dem 25. Dezember beginnen.



Nr. 1 - Sonnabend, den 1. Januar 1927

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Erzgebirgische Heimatblätter Nr. 1 - Sonnabend, den 1. Januar 1927, S. 4

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