Christian Lehmann, ein Wohltäter des Erzgebirges. - Erzgebirgische Heimatblätter

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Christian Lehmann, ein Wohltäter des Erzgebirges.

1927 > Oktober 1927 > Nr. 41/1927

An der Kirche zu Scheibenberg befindet sich ein Grabmal, welches alljährlich am Pfingstfeste geöffnet wird. Es ist dies das epitaphium Christian Lehmanns, eines ehemaligen Pfarrers des Bergstädtchens Scheibenberg. Er wurde am 11. November 1611 in Königswalde bei Annaberg geboren. Daß irrtümlicherweise an dem epitaphium steht, er sei in Elterlein geboren, findet seinen Grund wohl darin, daß kurz nach seiner Geburt sein Vater Theodosius Lehmann als Pfarrer nach Elterlein versetzt wurde. Der junge Lehmann war ein sehr begabter, aber auch fleißiger Knabe, und so kam es denn, daß er schon mit 10½ Jahren in die Fürstenschule zu Meißen aufgenommen wurde. Leider war er dort oft krank. Auf Wunsch seines Vaters erhielt er weiteren Unterricht in Halle. Später siedelte er nach Guhlen in der Niederlausitz über und begab sich 1631 nach Stettin. Wann und wo er seine akademische Laufbahn beendet hat, läßt sich nicht ermitteln. Im Jahre 1632 erhielt er bei einem Pfarrer in Pommern eine Hauslehrerstelle. Im nächsten Jahre finden wir ihn als Substitut bei seinem Vater in Elterlein. Drei Jahre später verheiratete er sich mit Euphrosyne Kreisel. 1638 wurde Christian Lehmann, als in Elterlein kein Bedürfnis nach einem Substituten mehr vorhanden war, als Pfarrer nach Scheibenberg berufen. Obwohl er selbst im Gebirge aufgewachsen war, so war es doch nicht leicht für ihn, sich an die rauhe Luft des hochgelegenen Städtchens Scheibenberg zu gewöhnen. Besonders erschwert wurde ihm auch die Ausübung seines Amtes durch die strengen Winter.

Wie sein Vater, so mußte auch Christian Lehmann mancherlei durch den 30jährigen Krieg ertragen. Wiederholt wurde er gezwungen, mit den Gliedern der Gemeinde die Stadt zu verlassen und die Wälder aufzusuchen, um nicht in die Hände der Feinde zu fallen. In diesem verhängnisvollen Kriege wurden auch Lehmann und seine Frau in der rohesten Weise von den feindlichen Soldaten mißhandelt. Auch die Pest brach in Scheibenberg aus, aber Lehmann und seine Familie blieben verschont. Obwohl Lehmann von Haus aus sich einer guten Gesundheit erfreute, so hatten doch die mancherlei Leiden und Entbehrungen der langen Kriegsjahre seine Kräfte so bedeutend geschwächt, daß er sich genötigt sah, sich bei seinen Amtsgeschäften unterstützen zu lassen. Dies geschah durch seinen Sohn Christian. Aber auch jetzt noch gönnte er sich nur in dem äußersten Falle eine Erleichterung, und so kam es denn auch, daß er, 64 Jahre alt, sich seiner Unterstützung wieder entledigte und noch 13 Jahre lang sein Amt allein verwaltete. Nachdem Christian Lehmann sich ziemlich 56 Jahre dem geistlichen Amte, davon in Scheibenberg allein 51 Jahre, gewidmet hatte, starb er in letzterem Orte am 11. Dezember 1688 in einem Alter von 77 Jahren als der älteste Geistliche der Annaberger Ephorie. Seine treue Gemahlin, mit welcher er 50 Jahre zusammen gelebt hatte, war ihm am 28. April 1686 in die Ewigkeit vorangegangen. Seinen Kindern gegenüber war er ein liebevoller, aber auch strenger Vater. Er hat dafür viel Freude an ihnen erlebt.

Wenn wir nun zum Schlusse noch von seinen Verdiensten sprechen wollen, die er sich um das Erzgebirge und ganz besonders auch um Scheibenberg erworben hat, so müssen wir bekennen, daß er der erste genannt werden darf, der nicht nur einzelne Teile, sondern das ganze Erzgebirge auf allen seinen Gebieten erforscht hat. Die Ergebnisse seiner umfangreichen und vielseitigen Forschungen hat er neben mehreren kleinen Schriften und sieben größeren Werken ganz besonders in dem berühmten Buche: Historischer Schauplatz derer natürlichen Merkwürdigkeiten in dem Meißnischen Ober-Erzgebirge niedergelegt. ebenso wie andere Freunde und Wohltäter des Gebirges hat auch er der Stadt Scheibenberg eine Anzahl Legate vermacht, durch welche alle Jahre ziemlich viel arme Schulkinder als auch bedürftige Erwachsene in reichlicher Weise bedacht werden. So blieb auch sein Werk jahraus jahrein ein Segen für unsere Armen.


Nr. 41 - Sonntag, den 23. Oktober 1927
Druck und Verlag von Friedrich Seidel, Buchholz i. Sa., Karlsbader Straße 21 - Fernruf 242 und 249


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